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Münster-Tula zwischen
Feiern und Nachdenken


Dioezesanpartnerschaft

Immer dabei: Die Statue des heiligen Liudger, ein Geschenk des Bistums Münster,

kommt zu jedem mexikanischen Partnerschaftstreffen mit.


Münster/Tula. 40 Jahre, und wie geht es weiter? Die Partnerschaft zwischen dem Bistum Münster und dem Bistum Tula in Mexiko steht vor neuen Herausforderungen.


2008 ist ein Jahr zum Feiern, denn Münster und Tula können auf eine seit 40 Jahren gewachsene Partnerschaft zurückblicken. Gleichzeitig wird es wohl auch ein Jahr der Standortbestimmung werden. Knut Neuschäfer vom Diözesanarbeitskreis Münster-Tula fasste unlängst die Zukunftsfragen auf einer Mexikotagung in der münsterschen Bistums-Akademie Franz-Hitze-Haus zusammen: "Wo stehen wir? Was sind unsere Perspektiven für die nächsten Jahre? Wie kann in den fusionierten Gemeinden Mexiko lebendig bleiben?"


Alte Probleme


Tatsächlich haben es die Mexikogruppen zurzeit nicht gerade leicht. Viele Arbeitsgemeinschaften sind überaltert und stützen sich seit Jahren auf dieselben Ehrenamtlichen. Wie überall im kirchlichen Raum lassen sich neue Kräfte nur schwer mobilisieren. In einigen Gruppen wird die Unterstützung durch den Pfarrer vermisst. In anderen plant man auf Dauer ein Zusammengehen mit weiteren Eine-Welt-Gruppen, die sich etwa für Brasilien und Ghana engagieren. Wieder andere beklagten, dass die Kommunikation zwischen den Gemeinden hüben und drüben oft mühselig sei. "Wir erfahren zu wenig über die mexikanischen Partnerschaftsaktivitäten", formulierte es eine Teilnehmerin. "Wir wollen nicht allein Geld senden, wir wünschen uns mehr persönlichen Austausch."


Auch ist die Zahl der aus dem Bistum Münster nach Mexiko vermittelten Freiwilligen im Jahr 2008 auf drei zusammengeschmolzen. "In den vergangenen Jahren waren es in der Regel sechs", sagte Diözesanarbeitskreis-Sprecherin Maren Wilmes.


Ein Grund dafür liege u.a. bei jenen Gemeinden, die früher von deutschen Priestern geleitet wurden und nun in die Hände ihrer mexikanischen Kollegen übergegangen seien. Einige dieser Priester beklagten mangelnde Möglichkeiten, die jungen Deutschen adäquat zu begleiten.
Von einer Krise der Partnerschaft kann dennoch nicht die Rede sein, im Gegenteil, eher von Zeiten des Umbruchs und der neuen Ideen. Immerhin kann man sich darüber freuen, in den vergangenen 15 Jahren rund 80 junge Menschen für ein Jahr bis eineinhalb Jahre von Münster aus in die Diözese Tula vermittelt zu haben.


Frische Ideen


Es könnten künftig noch mehr werden, denn es sieht so aus, dass sich das Bistum Münster an dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst-Programm "weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) beteiligt. "Die Weichen sind gestellt, allerdings müssen noch die Konditionen geprüft werden", sagt Ulrich Jost-Blome, Leiter des Referats Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat. Das seit Anfang 2008 gestartete, bundesweite BMZ-Programm hat ein jährliches Finanzvolumen von 70 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen mittelfristig 10.000 Einsatzplätze pro Jahr ermöglicht werden. Der Freiwilligendienst richtet sich an junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, die für sechs bis 24 Monate in Entwicklungsländern mitarbeiten wollen.


Bisher hat das Bistum Münster in Eigenregie jährlich rund 20 junge Freiwillige über das Referat Weltkirche in verschiedene partnerschaftliche Auslandsprojekte vermittelt, sagt Jost-Blome. Mit der Unterstützung durch das BMZ könnten diese Stellen refinanziert und erweitert werden. Letzteres sei allerdings nur realistisch, wenn auch die qualifizierte pädagogische Begleitung während des Einsatzes – einschließlich Vor- und Nachbetreuung – gewährleistet bliebe. "Wir wollen die jungen Leute schließlich nachhaltig für die weltkirchliche Arbeit gewinnen", sagt der Referatsleiter. Mit den vorhandenen personellen Möglichkeiten sei das schwerlich möglich. "Wir hoffen also auf eine Ausweitung des Freiwilligendienstes im Ausland mit mehr Personal hier vor Ort, etwa durch die Einrichtung einer neuen halben Stelle", sagt Jost-Blome.


Welchen Stellenwert der Auslandseinsatz für den Einzelnen oder die Einzelne haben kann, verdeutlichte Joana Reppenhorst auf der Franz-Hitze-Haus-Tagung. Sie arbeitete vom Oktober 2004 bis Ende Dezember 2005 im Pastoralzentrum im mexikanischen Cardonal mit: "Ohne diese Zeit wäre mein Leben in eine völlig andere Richtung verlaufen."


Der aus den ehemaligen Freiwilligen entstandene Verein "Animo" steht zudem für die Nachhaltigkeit des Projekts. Er unterstützt die Heimkehrenden und fördert die Ausreisewilligen.


Mit einer frischen Idee will der Mexikokreis der inzwischen zu St. Pankratius fusionierten ehemaligen St.-Joseph-Gemeinde in Emsdetten seine ohnehin aktive Partnerschaft weiter beleben. Im Frühsommer erwartet Pfarrer Bernhard Volkenhoff die erste Freiwillige aus der mexikanischen Partnergemeinde Tasquillo. Sie soll für ein Jahr im Kindergarten mitarbeiten. Die 21-jährige Anaid Selene Dominguez Trejo hat  Tourismus studiert und die Partnergemeinde in Emsdetten bereits bei einem Besuch zum Weltjugendtag in Köln 2005 kennen gelernt.


Andere Gemeinden pflegen gegenseitige Gebetspartnerschaften für die Kommunionkinder und Firmlinge, so etwa St. Maria Himmelfahrt in Rees mit der Partnergemeinde in Chilcuautla.


Im kommenden Herbst jedenfalls soll erst einmal der 40. Geburtstag der Diözesanpartnerschaft gefeiert werden. In Zusammenarbeit mit dem Referat Weltkirche und dem Institut für Missionswisschenschaften der Universität Münster plant das Franz-Hitze-Haus vom 10. bis 11. Oktober eine Jubiläumstagung zum Thema "Globalisierung der Solidarität". Am Sonntag, 12. Oktober, wird Weihbischof Friedrich Ostermann im St.-Paulus-Dom in Münster einen Festgottesdienst feiern – mit allen Mexikofreunden und  Festgästen aus der Partnerdiözese Tula. Anschließend ist ein Empfang geplant.


In Mexiko wird das  Partnerbistum Tula den runden Geburtstag bereits im August feiern.
Text: Karin Weglage/Foto: Rolf Bauerdick in "Kirche+Leben", 02.03.2008

 

Mehr Informationen zum Mexikokreis finden Sie hier.