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RP-SERIE MEINE KIRCHE
Altar, der aus der Scheune kam

Ein Gebäude voller Historie ist die St.-Lambertus-Kirche in Haffen. Vielen im Ort ist noch das spektakuläre Ereignis in Erinnerung, als 1994 der neue Turmhelm auf die Kirche gesetzt wurde.

VON BERND FINKE                                                                                                                      RP-Foto

HAFFEN,  17.09.2011

AmPfingslfest 1912 wurde in der St.-Lambertus-Kirche die Fleiter-Orgel eingeweiht. Der damalige Festgottesdienst ist nur ein wichtiges Datum in der Historie des Gotteshauses, über die Dorothee Köster kenntnisreich und detailliert zu berichten weiß. Sie ist seit 23 Jahren. als Küsterin in St. Lambertus tätig, ihr Nachname hat aber, wie sie augenzwinkernd versichert, nichts mit dein Küsterdienst zu tun, er ist schlicht „angeheiratet".  Die Geschichte der Haffener Kirche beginnt nicht in Haffen, sondern in Rhenen. Dieser Ort war rheinwärts gelegen, an der heute die Straße auf den Deich führt.
Als Zeugnis der Kirche von Rhenen ist ein kostbarer Kelch aus dem Jahre 1270 erhalten geblieben. Dieser wird, ebenso wie eine von 1450 datierende Monstranz, an einem sicheren Ort aufbewahrt. Ähnlich kostbar sind auch die Fresken von St. Lambertus. Sie waren von Wandermalern in den noch frischen Putz der Kirche gemalt worden. Im Jahre 1627 wurden die meterhohen Wandmalereien - sie zeigen Christophorus und das Jesuskind sowie die zwölf Apostel - von fanatischen Bilderstürmern übermalt. Zu nächst hatten diese sogar versucht, die Bilder buchstäblich von der Wand zu kratzen; die Kratzspuren im Gesicht des Jesuskindes sind noch heute zu erkennen. Im Jahre 1852 waren die Fresken per Zufall wiederentdeckt und anschließend freigelegt worden. Nach mehreren Restaurationen, zuletzt 1999, kommen die zarten, warmen Pastelltöne nun wieder richtig zur Geltung. Die Geschichte um den Hochaltar aus dem Jahre 1865 ist beinahe unglaublich: 1972 wurde in der Kirche ein neuer Opferaltar aus Travertin-Marmor errichtet. Der mit prachtvollen Schnitzereien ausgestaltete Hochaltar hingegen wurde abgebrochen und in einer Scheune gelagert. Dank einer Initiative von Pfarrer Josef Ratte und einer Einzel-Spende aus der Gemeinde wurde der Altar Jahre später restauriert. Seit 1978 befindet er sich nun wieder an seinem angestammten Platz im Hochchor der Kirche.
Der II. Weltkrieg hat auch in St. Lambertus tiefe Spuren hinterlassen. Der Glockenturm wurde so stark getroffen, dass die Glocke herunterfiel. Nach dem Krieg war dem Turm ein stumpfes „Kümmerdach" aufgesetzt worden. Erst 49 Jahre später wurde dieses Provisorium durch einen neuen spitzen Helm ersetzt. Der Turmhelm wurde nach alten Vorlagen aus Holz angefertigt. Am 21. April 1994 war es dann endlich so weit, und der 26 Meter hohe und 36Tonnen schwere Helm wurde im Beisein von 500 Zuschauern mit Hilfe eines riesigen Krans aufgesetzt. „Das war ein Jahrhundertereignis für Haffen!", betont Dorothee Köster.

 

INFO

Orgel wird überholt

 

Ab Montag wird die Orgel in Haf­fen überholt. Aus diesem Grund wird sie für etwa zwei Wochen nicht bespielbar sein. Im nächsten Jahr wird die Orgel 100 Jahre alt.