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NRZ 08.02.2011
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 Erstkommunion

Ernstes Angebot

Seit vielen Jahren begleite ich die Erstkommunionvorbereitung in Mehr. Als Frau Yakoubi im Sommer an mich herantrat, ob Yasmin in Mehr zur Erstkommunion gehen könne, habe ich Rücksprache mit unserem Vorbereitungsteam genommen. Wir haben überlegt: Was spricht dafür, dass Yasmin nicht in Haffen zur Erstkommunion gehen kann? Geht es dem Kind nicht gut? Ist es das einzige Mädchen? Hat sie Schwierigkeiten, sich in einem neuen Umfeld zurecht zu finden?
Durch meine Arbeit in der Grundschulbetreuung kenne ich Yasmin als aufgeschlossenes, selbstbewusstes Mädchen. Auch Frau Warschak hatte bei der persönlichen Anmeldung diesen Eindruck. In Haffen bereiten sich, neben anderen, auch drei ihrer Klassenkameraden auf die Erstkommunion vor. In Mehr gibt es drei Gruppen, auf die die fußballspielenden Kinder aufgeteilt sind. Wir gestalten Gruppenstunden, in denen es um „Communio“ zu deutsch ‚Gemeinschaft‘ geht. Wir haben Yasmin angeboten, in Haffen an den Gruppenstunden teilzunehmen, Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich schnell eine gute Gemeinschaft bildet. Leider hat sie dieses Angebot seit November nicht genutzt. Als Vorbereitungsteam sind wir froh, dass Pfarrer Wolf und die Verantwortlichen in Münster hinter unserer Entscheidung stehen, denn wir mühen uns redlich, das religiöse Leben vor Ort zu erhalten. Wenn Yasmin am 15. Mai in Haffen zur Kommunion gegangen wäre, hätte sie alle Mehrer Freunde einladen können, denn diese feiern erst eine Woche später ihren großen Tag. Schade, dass die Familie Yakoubi unsere Einladung nicht angenommen hat.
Irmgard Kujath, Rees


26. Januar 2011

Yasemin Yakoubi wohnt in Haffen, möchte aber mit ihren Freundinnen in Mehr zur Kommunion gehen. Das geht aber nicht.
Gisela Behrendt (NRZ)


Haffen. „Ich möchte in Mehr meine Kommunion feiern“, auch wenn die achtjährige Yasemin Yakoubi noch nicht sehr viel über diesen Festtag weiß, steht ihr Wunsch unumstößlich fest. Denn alle ihre  Freunde aus der Klasse und der F1-Jugend des TUS Haffen-Mehr wohnen in Mehr. Sie soll in Haffen zum Kommunionunterricht und zur Kommunion gehen, was sie und ihre Mutter Iris nicht verstehen, da  inzwischen Haffen und Mehr zur Reeser Gemeinde St. Irmgardis gehören.

Brief nach Münster
Da drei persönliche Gespräche — unter anderem mit Pastoralreferentin Maria Warschak und Pfarrer Michael Wolf — nicht zum gewünschten Ergebnis führten, hat die Mutter einen Brief an das bischöfliche Generalvikariat Münster geschrieben. In diesem bat sie darum, für ihre Tochter eine Ausnahme zu genehmigen. Doch in dem Schreiben wurde der Wunsch abgelehnt und die Entscheidung des Pastoralteams unterstützt, Yasemin nur in der Haffener Kirche zur Kommunion zuzulassen. Dort ist zu lesen, dass die Mutter den theologischen Sinn der Kommunion nicht verstehe und auch nicht bereit sei, an Gottesdiensten oder religiösen Angeboten teilzunehmen.

Dem widerspricht die Mutter und erläutert, dass sie Angebote wie das Palmstockbasteln selbstverständlich annehmen werde. Aber nur in Mehr. Denn das macht sie auch deutlich: „Yasemin geht nur zur Kommunion, wenn sie zur Mehrer Kirche darf.“ Neben den jungen Familien dort haben auch schon die Haffener Nachbarn signalisiert, zum Kommunion-gottesdienst nach Mehr zu kommen. Denn die beiden haben keine Verwandten mehr, nachdem die Eltern der Mutter im letzten Jahr verstorben sind. Dieses Ereignis hat Iris Yakoubi so aus der Bahn geworfen, dass sie noch einen Tag vor Weihnachten um ein seelsorgerliches Gespräch mit Pfarrer Wolf bat, das auch stattfand.

Noch weigert sich Yasemin, in Haffen den Kommunionunterricht zu besuchen, was die Fronten sicher noch mehr verhärtet. Mutter Iris vermutet, dass die Weigerung der Kirchengemeinde wohl damit zusammenhänge, dass es zwischen ihr und der Gemeinde Probleme wegen eines Mietverhä1tnisses gab. Sie hatte sich öffentlich geweigert, aus einem Haus, das der Gemeinde gehört, auszuziehen. Inzwischen wartet sie auf ein Gesprächs-angebot der Pastoralreferentin, der sie vor einer Woche auf den Anrufbeantworter gesprochen hat, denn sie gibt die Hoffnung nicht auf. Maria Walschak würde gerne eine Lösung finden, mit der alle glücklich sind: „Aber die Mutter hält von der Kirche und dem Glauben nichts — diesen Eindruck haben wir gewonnen, nachdem wir hörten, dass die Kommunion ein schönes Fest mit ihren Fußballfreunden werden sollte“. Und sie macht deutlich, dass sie ihre Arbeit so verstehe, dass die Kinder auf einen Weg Richtung Gott gelangen könnten.
Zudem sei es schon ein Problem eine Ausnahme zu machen, da diese dann ein Präzedenzfall sei.