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Gemeinde trauert um Pfarrer em. Schulte Berge

11.05.2013

Rees. Die Reeser trauern um Pfarrer em. Wolfgang Schulte Berge, der am vergangenen Dienstag im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Fast zwei Jahrzehnte unterstützte er als emeritierter Pastor die Reeser Pfarrgemeinde. Seiner wird am Dienstag um 10 Uhr im Auferstehungsamt in St. Mariä Himmelfahrt gedacht. Anschließend wird er auf dem Friedhof am Westring beigesetzt.


Oft ist es schwierig, Messdiener für ein Seelenamt am Vormittag zu finden. Dieses Mal ist es anders. Denn die Reeser Pfarrjugend fühlte sich Pfarrer Schulte Berge ganz besonders verbunden. Und so werden auch junge Männer gerne am Altar dienen, die inzwischen nicht mehr in Rees wohnen.

 

Wolfgang Schulte Berge, geboren als 9. Kind in Einen bei Warendorf, studierte Theologie in Münster und Passau und wurde am 2. Februar 1960 im Dom zu Münster gemeinsam mit Pastor Norbert Köster und Fritz Leinung zum Priester geweiht. Seine erste Kaplanstelle trat er in Emsdetten an, bevor er in Walsum und in Kleve in Mariä Himmelfahrt als Kaplan tätig war. Von 1970 bis 1980 war er Pastor in Liebfrauen in Homberg, zudem Dekanats-Frauenseelsorger und ab 1973 Leiter des Pfarrverbands Homberg. Pastor an St. Marien Dorsten war er von 1980 bis 1994.

 

Auf Grund seiner Lungenerkrankung konnte er in den vergangenen Jahren nicht mehr als Priester am Altar eingesetzt werden. Glücklich war er, als er vor drei Jahren ein Dreirad erwarb, so dass er, mit Sauerstoffgerät auf dem Gepäckträger, mobil bleiben konnte. Bis vor wenigen Monaten versorgte er sich selbst, man traf ihn beim Einkauf und er freute sich immer wieder, mit Bekannten zu reden. „Er war sehr kontaktfreudig und interessierte sich besonders für das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen. Er kam mit ihnen ins Gespräch und sie merkten, dass er sich ernsthaft für ihre Lebensgeschichte interessiert“, erzählen Reeser, die ihn über Jahre begleitet haben. Bereits Ende der 90er-Jahre nutzte er das Internet. In Rees installierte er die Gruppe „Wege erwachsenen Glaubens“, in der sich Leute zum Glaubensgespräch trafen. „Jesus ist unser Beispiel“, vermittelte er gerne. „Wir kennen niemanden, der so einen intensiven Kontakt zu Jesus hatte wie er“, heißt es aus dem Glaubenskreis. „Er war ein authentischer Priester und das durchstrahlte sein Wirken.“ Er pflegte Kontakte zu seinen Mitabiturienten ebenso wie zu Menschen seiner ehemaligen Gemeinden. Ganz besonders war er der Kirchenmusik in Mariä Himmelfahrt verbunden. Liebevoll versorgt wurde er in seinen letzten Tagen in St. Marien in Haldern.

Von Elisabeth Hanf

 

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schulte berge rpSt. Irmgardis trauert um Pastor Schulte Berge
Im Alter von 80 Jahren ist jetzt Pastor Schulte Berge gestorben. Der emeritierte Geistliche war wegen seiner liebevollen und humorvollen Art bei den Gläubigen in Rees sehr beliebt.
VON SEBASTIAN LATZEL

 

 

Herzensgut. Wenn eine Charaktereigenschaft wirklich auf Pastor Wolfgang Schulte Berge zutrifft, dann diese. Es war bewundernswert, wie viel Optimismus und welche Lebensfreude der Geistliche ausstrahlte, wenn man ihm begegnete. Immer erkundigte er sich zuerst danach wie es einem persönlich geht, wie der Familie. Nie war er es, der über sein Schicksal klagte. Dabei war Wolfgang Schulte Berge schon viele Jahre krank und darauf angewiesen, ständig ein Beatmungsgerät bei sich zu haben. Jetzt ist der beliebte Geistliche im Alter von 80 Jahren gestorben. Dass die Krankheit ihn belastet hat, ließ er andere nie spüren. Bei jeder Begegnung nahm er sich Zeit, lachte viel und rollte im Gespräch das „R“ ganz lang. Eine Eigenart, die bis zum Schluss seine Herkunft aus dem Münsterland verriet.
Geboren wurde er als neuntes Kind in Einen/ Münsterland bei Warendorf. Als Wolfgang Schulte Berge am 2. Februar 1960 die Priesterweihe durch Bischof Michael Keller empfing, lagen ereignisreiche Jahre hinter dem Studenten. Das Geld für Lebensunterhalt und Studium musste er sich selbst verdienen. Nebenbei arbeitete er in der Landwirtschaft. Die Weihe empfing der Geistliche zusammen mit Norbert Köster, mit dem er 50 Jahre später auch zusammen den Dankgottesdienst zum Goldenen Priesterjubiläum in Rees feierte.
1960 hatte Wolfgang Schulte Berge seine erste Kaplanstelle in Emsdetten angetreten. Es folgten Walsum und Kleve, bevor er 1970 Pfarrer in Liebfrauen Homberg-Hochheide wurde. Schon kurze Zeit später übernahm er das Amt des Dekanats- und Regionalfrauenseelsorgers. „Es war eine sehr arbeitsintensive Zeit in schwierigem Umfeld“, erinnerte er sich seinerzeit. Wegen einer Herzmuskelschwäche musste er in Homberg die Arbeit niederlegen. 1980 übernahm er die kleinere Gemeinde von St. Marien in Dorsten und zog als emeritierter Pastor 1994 nach Rees. Obwohl seine gesundheitlichen Probleme später nur noch sehr eingeschränkt eine Mithilfe in den fünf Pfarreien von St. Irmgardis zuließen, engagierte er sich gerne für die monatlichen Gespräche zum Thema „Wege erwachsenen Glaubens“. Zu seinen schönsten Erinnerungen zählte der Musikliebhaber die von ihm ins Leben gerufene Schola in Dorsten.
Die Beerdigung ist am Dienstag.

 

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Bischof würdigt Pastor Schulte Berge
Wilfried Theising hat gestern die Trauerfeier für den verstorbenen Geistlichen zelebriert. Viele Gläubige kamen.
VON SEBASTIAN LATZEL

 

 

„Wir sind dankbar für die Spuren, die er in unserem Leben hinter- lassen hat“, stand auf dem Gedenkzettel für Pastor Wolfgang Schulte Berge. Und der Begriff Dankbarkeit zog sich wie ein roter Faden durch den feierlichen Beerdigungsgottesdienst in St. Mariä Himmelfahrt. Pfarrer Michael Wolf dankte noch einmal für die Zeit, die die Gemeinde mit dem beliebten Geistlichen verbringen durfte. Wolfgang Schulte Berge war fast zeitgleich mit ihm nach Rees gekommen. „Wir haben von Anfang an gemerkt, dass die Chemie schulte-berge03zwischen uns stimmt“, sagte Pfarrer Wolf, der seinem Mitbruder am Krankenbett diesen Dank für die gemeinsame Zeit noch einmal ausgesprochen hatte. „Als ich ihm das gesagt habe, strahlte er über das ganze Gesicht“, so Pfarrer Wolf. Wolfgang Schulte Berge sei gerne Priester gewesen, das hätten auch die Menschen gespürt. Und es war ihm eine Herzensangelegenheit, auch unter den Menschen sein, mit seinem westfälischen Humor, der ansteckte. Mit seiner Gottes- und Nächstenliebe. In seiner früheren Gemeinde Dorsten habe Wolfgang Schulte Berge in acht Monaten alle Familien persönlich besucht. „Er sagte mir: Danach war ich platt“, berichtete Pfarrer Wolf. Auch das eine typische Aussage für den Verstorbenen, der immer auch stolz auf seine Bodenständigkeit war, auf seine Heimat, der die Landwirtschaft liebte. Zu ihm gehörte das Fahrrad einfach dazu, auch daran erinnerte Pastor Wolf. Und zu jeder Tour gehörte auch, dass Pastor Schulte Berge anhielt und mit den Menschen ins Gespräch kam. Er sei ein Mensch gewesen, der selbst voller Dankbarkeit gewesen sei. Auch dankbar dafür, in Rees ein so vielfältiges und kirchen- musikalisch reiches Gemeindeleben vorgefunden zu haben. „Es ist ein Geschenk, dass ich hier sein konnte“, hatte er gesagt. Bischof Wilfried Theising zelebrierte den feierlichen Gottesdienst und erinnerte daran, dass Pastor Wolfgang Schulte Berges Leben geprägt vom Kreuz gewesen sei, vor allem durch seine lange Krankheit. Er habe aber immer Menschen gehabt, die ihn begleitet hätten. Und für den Priester sei das Kreuz das Siegeszeichen des Lebens über den Tod gewesen. Daher begleitete das Bild „Der Auferstandene“ von Matthias Grünewald auch das Leben von Pastor Schulte Berge. Auch im Krankenzimmer und im Altenheim hing es an der Wand. „Wenn er auf das Bild schaute, wusste er sich geborgen bei Jesus Christus“, so Pastor Michael Wolf. Und da Pastor Schulte Berge eben auch immer die anderen Menschen wichtig waren, schenkte er dieses Bild an andere weiter. Er wollte sie damit trösten und sie an seinem Glauben teilhaben lassen. Das Bild zierte daher auch den Gedenkzettel zur Beerdigung. Für den Gottesdienst hatte sich Pastor Schulte Berge die Farbe „Weiß“ gewünscht. Als sichtbares Zeichen für die Auferstehung.

 

Schulte-Berge02

    

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